Solvency / Allgemeines

Die Bedeckungsquote (Solvenzquote) in dem Solvency II-Regime

Seit dem 01.01.2016 gilt für Kapitalanlagen hinsichtlich der Unterlegung mit Eigenmitteln eine differenzierte Betrachtung. Während diese für Investoren unter der Anlageverordnung auch weiterhin entfällt, ist sie für Solvency II-Investoren seit Beginn des Jahres Realität. Solvency II verpflichtet die betroffenen Unternehmen zu einer risikoadäquaten Sicht auf ihr Unternehmen.

Für Investoren unter dem Solvency II-Regime stellen sich somit im Rahmen des Kapitalmanagements unweigerlich Fragen wie: „In welche Assets möchte ich vor dem Hintergrund des ökonomischen Umfelds investieren?“ und „Welches sind anforderungskonforme Möglichkeiten, Investitionen „eigenmittelschonend“ und administrativ opportun zu erwerben bzw. zu halten?“

Bei der Beantwortung dieser Fragen kommt der Bedeckungsquote (Solvenzquote) eine wesentliche Bedeutung zu. Im Rahmen der Eigenmittelunterlegung müssen Versicherungsunternehmen diese dauerhaft auf einem Niveau von über 100% halten.

Die Gleichung für die Berechnung ist grundsätzlich einfach:

Man muss die Höhe der Eigenmittel kennen und diesen Betrag durch die Solvenzkapitalanforderung (Solvency Capital Requirement, SCR) teilen.
solvenzquote formel
Die Eigenmittel werden in der ökonomischen Bilanz berechnet und sind die Differenz zwischen Aktiva und Passiva. Innerhalb des Solvency II-Regimes geht es um den Marktwert der Aktiva und den Marktwert der Passiva, also die Werte, die in einer fairen Markttransaktion zwischen zwei sachverständigen Parteien gelten würden. Besonders schwierig ist die Bewertung des Marktwertes der versicherungstechnischen Rückstellungen. Insofern folgt man bei der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen dem Grundgedanken des „Exit Value“. Die Ermittlung dieses Marktwertes muss nach marktkonformen Prinzipien erfolgen und wird ermittelt, indem man die versicherungstechnischen Rückstellungen als Summe von Best Estimate und Risikomarge berechnet.
solvency2 bilanz
Die Solvenzkapitalanforderung (Solvency Capital Requirement, SCR) bezeichnet das (ökonomische) Kapital, das vorgehalten werden sollte, um sicherzustellen, dass das Versicherungsunternehmen seine Verpflichtungen gegenüber Versicherungsnehmern und Begünstigten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erfüllen kann. Oder anders, vereinfacht gesagt, ergibt sie sich aus dem Vergleich der Eigenmittel vor und nach Eintreten eines bestimmten Risikoszenarios.

Die Werte für die Eigenmittel und den SCR sind mithilfe eines von der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) definierten Prozesses zu berechnen.

Für das Kapitalmanagement ergibt sich nun im Rahmen gestalterischer Überlegungen die Fragestellung, ob und wie es möglich ist, den SCR-Beitrag eines Assets zum Gesamt-SCR zu reduzieren und somit positiv auf die Bedeckungsquote zu wirken. Hierbei ist zum einen die Systematik des Solvency II-Ansatzes zu berücksichtigen, zum anderen spielen steuerliche und betriebswirtschaftliche Aspekte eine wesentliche Rolle.

Im Rahmen unserer Überlegungen setzen wir sowohl bei den quantitativen Anforderungen der Säule I an als auch innerhalb der Säule II im Rahmen der Corporate Governance.


solvency2 regelungen